Meine irische Geschichte

Mit den Dubliners fing alles an

In den siebziger Jahren traten die Dubliners im deutschen Fernsehen auf und das war der Moment als ich mit dem Virus infiziert wurde. Mein Vater nahm ich dann auf ein Konzert der Dubliners in Köln mit und the celtic virus got me. Die Platte, die mein Vater zu Weihnachten als Geschenk bekam wanderte zu mir, und ich hörte die Lieder rauf und runter, vom Wild Rover über die Rocky Road to Dublin bis zu Cork Hornpipe. 

Später erwachte mein Interesse an irischer Literatur besonders nach dem Film “Cassidy der Rebell,” nach den Erinnerungen Seán O’Caseys über den Easter Rising von 1916. Liam O’Flahertys Roman “Zornige grüne Insel,” der die Geschichte einer irischen Famile zur Zeit des great Famine erzählt habe ich mehrfach gelesen. Irgendwann, so nah ich mir vor, würde ich Irland besuchen. Wie alle Touristen Dublins Temple Bar District unsicher machen und auf Leopold Blooms Spuren wandeln. James Joyce “Dubliners,” die Historie Irlands von den frühesten Tagen bis zur Gegenwart verinnerlichte ich und las Bücher über den Krieg in Nordirland zwischen den Provos, den Loyalisten und der britischen Armee. Irland, so stellte ich mir vor, war in meiner Vorstellung ein Land mit fröhlichen und traurigen Menschen, grünen Landschaften, tiefen Seen, majestätischen Flüssen und jeder hatte eine Tin Whistle in der Tasche. 

Guinness is good for you – Quelle DPA

Ich weiß noch wie ich den neu eröffneten Pub in meiner Heimatstadt betrat und mein erstes Pint Guinness trank. Ich war sechzehn und Samstags in der Schule setzte ich meinen Plan um. Das Pint schmeckte himmlisch und so saß ich da, schaute mich um und hörte der irischen Musik zu. Von Zeit zu Zeit einen Schluck ging die Zeit vorüber. Das Highlight war zum Schluss ein T-Shirt von Sinn Féin mit der Aufschrift “Tiocfaidh ár lá” (unsere Zeit wird kommen), das ich 2006 geschenkt bekam. Später fand ich dann heraus, dass es eine gute Idee war dieses T-Shirt in Deutschland zu lassen. 

Eigentlich wollte ich nach England

Januar 2009 wurde mein Hund vergiftet und damit war für mich klar, dass ich Deutschland verlasse. Zuvor waren in kurzen Abständen mein Bruder, mein Vater und meine Mutter gestorben und dann wurde mir auch noch der letzte Halt genommen. Meine Selbständigkeit hatte ich aufgegeben um meine Mutter zu pflegen, und dann das. 

Betzi

Ich muss gestehen nie in meinem Leben hatte ich etwas wie Nationalstolz, eher hielt ich es wie mein Großonkel der sagte, “Dummheit und Stolz wachsen aus einem Holz.” Stolz Deutscher zu sein konnte ich nie nachvollziehen. Glücklich über das Abschneiden deutscher Mannschaften und Athleten? Ja! Aber stolz darauf? Zweimal war ich länger im Ausland, einmal in Italien und dann ein Jahr in Wien. 

Also meinten meine Bekannten die in England leben, ich solle mich in England bewerben. So wäre ich in der Nähe, das Geld wäre besser und das Leben angenehmer. Ich setzte mich hin übersetzte meinen Lebenslauf, schrieb ein Resume und lud die bei Monster.co.uk hoch. Es dauerte etwas und eines Tages meldete sich eine Personalagentur bei mir. Man hätte meinen Lebenslauf gesehen und wäre der Meinung ich sei die richtige Person für einen Job in Irland. Erst dachte ich, man will mich verulken, aber nein, der Mann meinte das völlig ernst und der Rest ist Geschichte.

Cork nicht Ellis Island

Der alte Hafen von Cork

Am 28. April 2010 verließ ich Deutschland mit nicht mehr als der Kleidung am Leib, der kleinen Reisetasche meiner Mutter und einem großen Reisetasche. Als die Beamten am Flughafen misstrauisch meinen Reisepass betrachten – immerhin war der noch in Wien ausgestellt – war ich froh als ich endlich im Flugzeug saß. Die Begegnung mit den Beamten und dieser misstrauische Blick waren für mich die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben. Der einzige Kontakt zu Deutschland fand ein Jahr später statt als ich in Dublin einen Reisepass beantragen musste.

Rückblickend betrachtet war das die beste Entscheidung die ich in meinem Leben gemacht habe. Wie die irischen Migranten, die in New York ankamen mit nichts mehr als einem Koffer und ihrer Kleidung am Leib, das war mein Gefühl damals als ich in Cork gelandet bin.

Habe ich meine Entscheidung bereut? Nein! Auch wenn es manchmal schwer war denn die Mentalität der Iren unterscheidet sich von den Deutschen, habe ich nie mit Wehmut zurückgeblickt. Ich bin zum ersten Mal stolz denn ich fühle mich hier in Irland als Teil der irischen Gesellschaft und bin überaus dankbar, dass Irland mir in all den Jahren so viel gegeben hat.

2013 mußte ich mich einer Bypassoperation unterziehen und erlitt, noch im Krankenhaus, einen Schlaganfall. Das war nicht nur ein Schock sondern hatte auch Spätfolgen für mich denn seit einigen Jahren bin ich arbeitsunfähig und bekomme Disability Allowance. Da ich mir aus Kostengründen ein Haus teile und eine Mitbewohnerin ist, kam ein Inspektor der Behörde auf die Idee wir hätten eine intime Beziehung und das Geld wurde mir erst gestrichen – “die kann ja zahlen” -, dann bekam ich statt 203€ in der Woche 29€ und bekomme aktuell 101€. Nicht viel um große Sprünge zu machen, vor allem weil ich in meiner Jugend und als junger Erwachsener immer Sport getrieben habe. Sei es Fußball, Fahrradfahren, laufen oder lange Spaziergänge, es wäre mir also lieber zu arbeiten, und natürlich meine Heimat per Pedes zu erleben.

Geschrieben habe ich früher schon, noch in Deutschland hatte ich einen Blog aber das waren politische Themen, keine Themen über ein Land und die Leute sowie die Natur.

Wenn Sie möchten nehme ich Sie mit auf die Reise durch “meinen County,” gebe Tips und Ratschläge und erzähle natürlich Geschichten aus Irland wenn auch nicht so Bierernst mehr nach dem Motto “where’s the craic.”

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