Glenamoy ist ein kleines Dorf bei Belmullet gelegen. Insgesamt hat das Dorf 206 Einwohner und ein HSÉ Healthcare Center. Doch trotz seiner geringen Größe spielte Glenamoy eine Rolle in der irischen Geschichte und das kam so:
Irland war knapp 800 Jahre lang im Besitz der englischen Krone. Im Laufe der Jahrhunderte gab es mehrere Aufstände und Rebellionen gegen die englischen Besatzer, eine Gruppe davon waren die United Irishmen, gegründet 1791 von Theobald Wolfe Tone, einem Rechstanwalt aus Dublin. Ziel war es eigentlich alle Iren, unabhängig ihrer Religion zusammenzubringen, und die Zukunft einer irischen Republik zu diskutieren. Allerdings hatte die Gruppe eine signifakante Schwäche, man erhoffte sich Hilfe von Frankreich versuchte im Jahr 1798 mit Hilfe französischer Truppen einen Umsturz der fehlschlug. Tone wurde zu Tode verurteilt und verübte im Gefängsnis Suizid. Die Folkformation The Wolfe Tones, bekannt für ihre irische Rebellenmusik, trägt den Namen im Gedenken an Theobald Wolfe Tone.

Es sollte noch 118 Jahre dauern bis die Ereignisse des Easter Rising die Sache in’s Rollen brachten, die schließlich zur Gründung des irischen Freistaates führte. Der irische Unabhängigkeitskrieg brach dann am 21. Januar 1919 aus und endete mit dem Vertrag von London 1921, der Irland zwar in die Unabhängigkeit führte, trotzdem aber eine Niederlage war denn die irische Delegation, unter Führung von Michael Collins, mußte, um den Free State gründen zu können, auf die Counties im Norden verzichten die Heute Nordirland bilden. Michael Collins sagte am Tag der Unterzeichnung des Vertrages, dass er damit sein Todesurteil unterschrieben hätte, 1922 starb er durch einen Hinterhalt bei Beal na mBlath, einem Dorf im County Cork, mit 31 Jahren.
Der irische Bürgekrieg war die Folge der Vertragsunterzeichnung. Obwohl der Vertrag im Dáil mit einer knappen Mehrheit angenommen wurde regte sich der Widerstand bei den Unterlegenen. Viele Anführer der IRA weigerten sich ihre Einheiten aufzulösen, und in die Free State Army zu integrieren. Das Land war praktisch zwischen Nord und Süd geteilt. Der County Cork spielte dabei eine traurige Rolle, versuchte man doch die Abspaltung von der irischen Republik und rief die Republic of Cork aus. Man erklärte die Unabhängigkeit vom Rest des Landes, prägte eigenes Geld und Briefmarken und erhob, zu allem Überfluss, eigene Steuern. Vielleicht hätte man sich einigen können, allerdings hatten die Black and Tans die Innenstadt von Cork 1920 in Brand gesteckt, und man war nicht willens den Vertrag zu akzeptieren.
Während die Briten ihre Truppen und Material über Cobh abzogen, griffen Einheiten der IRA die Schiffe auf hoher See an und plünderten diese, dass hatte zur Folge das die britische Regierung Dublin mit einer weiteren Eskalation drohte, sollte Dublin das Problem in Cork nicht in den Griff bekommen. Also wurden Einheiten der Free State Army über das Meer nach Süden entsandt und ein Teil wurde im Hafen von Cork ausgeschifft. Alles in allem bestand die Republik vom 28. Juni bis zum späten August 1922 und endete mit der Niederlage der Aufständischen.
Eine Anekdote aus der Zeit besagt, dass die Aufständischen die Fabrik von Ford gestürmt haben – die sich auf dem Gelände befand wo später der neue Hafen von Cork gebaut wurde – und verlangten einen Panzerwagen, zumindest ein geschütztes Fahrzeug. Die Fabrik hatte zu dem Zeitpunkt auf Grund der Unruhen geschlossen, nur der Pförtner und der Direktor befanden sich im Gebäude, wobei der Direktor in seinem Büro unter dem Schreibtisch saß. Der Pförtner, der viele der Anwesenden kannte, sagte dass die Produktion ruht und die Firma Ford keine Panzerwagen herstellen würde, sie kämen also völlig umsonst. Kurz wurde in der Empfangshalle ein Rat einberufen und dann zogen die Männer unverrichteter Dinge wieder ab.
Zu der Zeit war auch der County Mayo in den Bürgerkrieg involviert, wenn Mayo auch spät in den Anglo-Irish War zog. Als der Krieg endete war Mayo sehr erfolgreich und stimmte die Führer der IRA optimistisch, vor allem da ein Zustrom neuer Mitglieder verzeichnet wurde. Man war also der Meinung man könne den Krieg noch lange fortsetzen. Dem Vertrag stimmten nur wenige IRA Führer zu, die Mehrheit lehnte ihn ab. Dublin’s Problem war, dass Mayo keine Free State Truppen beherbergte und diese erst über Land und See dorthin brachte.

Glenamoy lag eigentlich weit vom Schuss doch am 21. September 1922 geriet hier ein Trupp der National Army in einen Hinterhalt. Dem Trupp gelang es die Angreifer hinzuhalten bis Verstärkung anrückte und es entwickelte sich ein langes Feuergefecht zwischen beiden Gruppen und ging als die “Schlacht von Glenamoy” in die Geschichte Mayos ein. Obwohl die Verluste sich in Grenzen hielten – 6 Männer der Irish Free State Army und 10 Männer der IRA wurden bei dem Gefecht getötet – zeigt es wie zerstritten Irland über diesen Vertrag war. In Cork hatte ich mir ein Buch über den Bürgerkrieg gekauft und war erschrocken über das, was damals passierte. Ganze Familien kämpften gegeneinander, Freundschafte zerbrachen über den Vertrag und man ging so brutal gegen den Gegner vor, dass noch Jahrzehnte später die Schrecken nicht vergessen waren. Es heißt, dass man Gefangene aneinander gefesselt in das Moor trieb und sie dort mit Handgranaten tötete.
Wer also Mayo besucht dem empfehle ich auch einen Abstecher nach Glenamoy.